Belmont-Preis 2020
für zeitgenössische Musik


Florian Weber

    Pianist und Komponist
    Osnabrück und New York


© Christoph Bombart     

    „Florian is one of the most creative piano players I have ever played with.
    His music is totally free. He has got the texture, the feeling, just beautiful.
    I am very touched by his music. It feels divine to me.”
    Lee Konitz

  

Erstmals Jazz: Die Forberg-Schneider-Stiftung verleiht den mit 20.000 € dotierten Belmont-Preis 2020 an den Jazzpianisten und Komponisten Florian Weber, einen - in ihren Augen - der wesentlichen musikalischen Neuerer der zeitgenössischen Musik.

Florian Webers musikalisches Bezugssystem scheint unerschöpflich: von Maurice Ravel, Arnold Schönberg und Karlheinz Stockhausen bis hin zu Lee Konitz, John Taylor, Paul Bley oder zur sogenannten Weltmusik. Zentrum seiner Musik ist die Improvisation. „So unbegrenzt die Möglichkeiten, so ökonomisch und konzentriert ist sein Klavierspiel. Anstelle der postmodernen Geste tritt die Arbeit an der musikalischen Substanz”, so das Kuratorium der Stiftung.

Florian Weber (Jahrgang 1977) erfährt früh die Wertschätzung renommierter Fachkollegen, steht bereits während seines Studiums in Köln und am Berklee College of Music in Boston mit improvisierenden Musikern wie Michael Brecker, Albert Mangelsdorff, Eddie Henderson und Benny Bailey auf der Bühne oder im Studio. Internationales Renommee erwirbt er auch mit seinem Trio Minsarah und dessen gleichnamiger Debüt-CD (2006). Sein späterer Mentor Lee Konitz nimmt mit Minsarah nach „Deep Lee” (2007) im Jahr 2012 das legendäre Konzert „Live at the Village Vanguard” auf.

Florian Weber versteht Improvisation als modernes, spontanes Komponieren. Es ist getragen von großer Entdeckerlust und Offenheit. Sein neues New Yorker Quartett besetzt Weber mit Mitspielern, an denen ihn vor allem „Unterschiede zwischen den Musikern und ihren Improvisationstechniken interessieren.” Das Ergebnis dieser Zusammenarbeit, „Lucent Waters”, Ende 2018 bei ECM erschienen, wird von der Fachpresse überschwänglich gelobt. Die New York Times feiert „eine Ästhetik des aerodynamischen Fliessens” einer Musik, die niemals auftrumpfen oder überwältigen will und in deren Zentrum ein enorm flexibler, luzider, modulationsfähiger Klavierklang steht. In sein neuestes Programm bezieht Florian Weber Mitglieder des Frankfurter Ensemble Modern mit ein, inspiriert von Arnold Schönbergs selbstentwickelter Schachvariante „Koalitionsschach” - nicht nur, was die Regeln des Zusammenspiels angeht. Dieses Programm wird Ende Oktober Premiere haben, soviel sei schon verraten. Mehr dazu ist bei der Programmveröffentlichung des Pierre Boulez Saals für die Saison 2020/2021 am 10. Juni zu erfahren.

Florian Weber kommt als Sohn einer Opernsängerin und eines Musikprofessors früh mit klassischer Musik und dem Klavierspiel in Berührung. Dass sein vermeintlich vorgezeichneter Weg ihn zunächst zum Studium der Mathematik, Physik und Biologie führt, bezeugt sein universales Interesse, das sich immer wieder auch in seiner Musik offenbart.

Florian Weber lebt abwechselnd in Osnabrück und in New York. Er lehrt an Hochschulen im In- und Ausland.