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Der Belmont-Preis

Mit dem Belmont-Preis werden Aufbruch, Wagnis, Mut gewürdigt, nicht aber Bewährtes fort­ge­schrieben. Aufbrüche gehen von den Künsten aus; der Bürger als Mäzen kann sie nur ein Stück vorwärts tragen helfen.

Kreis Plus Kreis Minus
Shakespeares Belmont im »Kaufmann von Venedig« ist ein Schicksalsort, an dem die Klugheit einer Portia zu Hause ist: »Who chooses me, must give and hazard all he hath« (Wer mich wählt, gibt und wagt, was er nur hat). Keine Losung kann Preis­würdig­keit treffender beschreiben. Shakespeare sieht das Risiko gleich verteilt auf Geber und Empfänger.
 
Belmont ist aber auch eine Bewunderungsadresse für Arnold Schönberg, der in seinen vielfältigen künstlerischen Erfindungen und Ausdrucksformen hohlem Pathos und peinlichen Konventionen den Kampf ansagte: »Das Herz muss innerhalb der Domäne des Kopfes liegen«.
 
Der ursprünglich mit 20.000 € und nun mit 50.000 € dotierte Preis, der nach Möglichkeit alle zwei Jahre vergeben wird, zählt zu den höchstdotierten Preisen für musikalisches Schaffen in Europa. Über die Vergabe des Belmont-Preises entscheidet das Kuratorium der Stiftung; eine Bewerbung ist nicht möglich. 
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© Rui Camilo | EvS Musikstiftung

Belmont-Preis 2024 für zeitgenössische Musik

Preisträgerin
Mirela Ivičević
Komponistin aus Wien

25.2.2025. Die Forberg-Schneider-Stiftung verleiht den Belmont-Preis für zeit­genössische Musik an die Komponistin Mirela Ivičević. Der Preis ist erstmals mit 25.000 € dotiert (bisher 20.000 €). Die Preis­ver­leihung findet am 22. Mai 2025 um 18.30 Uhr im Gartensaal des Prinzregenten­theaters in München statt.

»Mirela Ivičević schreibt Musik voller Wucht und Witz«, begründet das Kuratorium seine Entscheidung und ergänzt: »Mit impulsiver und doch spielerischer Geste arrangiert Mirela Ivicević elaborierte instrumentale und elektronische Klänge, in deren Farbspektrum sich exakt ausgehörte Alltagslaute mischen. ,Sonic Fictions' nennt die in Wien lebende Komponistin aus Split ihre welthaltigen Erzählungen fürs Ohr. Die rauen Kontraste ihrer Klangsprache verweisen auf ein durchaus konfrontatives Miteinander weit auseinanderliegender Zeit- und Bedeutungsschichten. Ivičevićs Sensorium für die kreative Schubkraft solcher Spannungen zeigt an, welch engagierte, entschieden politisch denkende Künstlerin hier am Werke ist.«

Mirela Ivičević sagt zu der Auszeichnung: »Der Preis kam völlig unerwartet, ich bin immer noch voller Staunen, in einer solch herausragenden Liste von Preis-Empfängern genannt zu werden. Es ist wirklich eine
Ehre!«

Das Œuvre der 1980 in Split, Kroatien, geborenen und heute in Wien lebenden Komponistin umfasst Kammermusik und Orchesterwerke, elektroakustische und intermediale Arbeiten, Theater- und Filmmusik. Ihre Kompositionen werden bei internationalen Festivals aufgeführt und von renommierten Ensembles wie dem Klangforum Wien und dem Münchener Kammerorchester interpretiert. Eine enge Zusammenarbeit pflegt sie mit dem Black Page Orchestra, einem experi­mentier­freudigen Kollektiv, das sie 2014 mitgründete. Ihre profunde handwerkliche Ausbildung erhält Mirela Ivičević in ihrer Kindheit und Jugend am Klavier, später studiert sie Komposition und Musiktheorie bei Željko Brkanović, Medienkomposition und Angewandte Musik bei Klaus-Peter Sattler, Komposition bei Beat Furrer. Sie wirkt auch selbst als Performerin und Kuratorin.

Chronik der Preisträger

2022 // Sarah Aristidou
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© Andrej-Grilc
 
Belmont-Preis 2022
für zeitgenössische Musik
 
Sarah Aristidou
Sopranistin aus Berlin
 
 
 
Aus der Begrüßung zur Preisverleihung, von Gabriele Forberg-Schneider
 
Die Pandemie ist noch nicht überwunden, gleichzeitig stellt ein grausamer Angriffskrieg die Jahrzehnte währende Friedensordnung in Europa auf eine gefährliche Probe. »Wie kann man sich des Lebens freuen, während so viele Menschen leiden? Warum bleibt man angesichts der Fülle der Probleme und Krisen der Welt nicht gelähmt im Bett, zieht sich die Decke über den Kopf und wartet auf bessere Zeiten ... «, fragt sich und uns Nils Minkmar in der SZ. Auch die Problemlage aus Klimakrise, Naturzerstörung und dem Ende des vertrauten, auf dem Konsum fossiler Energie basierenden Wachstums­versprechens erfordert eine philosophische Neuorientierung. Mit dem Überfall Russlands auf die Ukraine ist auch eine Krise des Menschenbildes verbunden und damit eine Infragestellung all unserer liebgewordenen und ideologisch festgezurrten Mechanismen der Lebensbewältigung.
 
Albert Camus formulierte in seiner berühmten Stockholmer Rede zur Entgegennahme des Nobelpreises eine Art lebenskünstlerisches Programm, entgegen allen Sonntagsreden vonseiten ideologischer Scharfmacher: »Man muss sich selbst eine Lebenskunst in Zeiten der Katastrophe schmieden. Die Kraft kommt durch das Leben, nicht die Tugend«
 
Und so heißt es: weitermachen, nicht nur bekennen! Wie Sisyphos den Felsbrocken weiterhin den Berg hinauf rollen ...
 
Eine gewisse anarchische Grundhaltung liegt dem Mut zur Initiative zugrunde: nicht nur der Anarchie des eigenen Tuns, auch der wirklicher künstlerischer Talente. Denn Kunst entsteht aus dem Antrieb, Unerhörtes, Ungesehenes, Ungedachtes wachsen zu lassen - ihr Wesen ist zutiefst antiautoritär.
 
Jedes Geschenk - und etwas anderes ist auch unser (mit 20.000 €) hochdotierter Belmont-Preis nicht - braucht auch einen Beschenkten, einen Empfänger, einen ideellen Nutznießer unserer anarchischen Begehrlichkeiten. Einen Musiker, der willens ist - wie Arthur Rubinstein das formulierte - auch mal »fünf Tropfen Blut zu vergießen«.
 
 
Begründung des Kuratoriums
 
Sarah Aristidou geht an Grenzen - und über diese hinaus. Phänomenale vokale Fähigkeiten prädestinieren sie dazu: Mehr als drei Oktaven umfasst ihr Koloratursopran, eine Ausnahmestimme, der ihre französischen und zypriotischen Prägungen gleichermaßen anzuhören sind.
 
Der exorbitanten Stratosphärenhöhe - sie reicht bis zum hohen g - steht eine nicht minder imposante Bruststimme in der Tiefe gegenüber. Kunstvoll stilisierter Schöngesang und archaische Ausdruckskraft, Artistisches und Existenzielles verbinden sich zur höheren Einheit.
 
Jeder Ton von Sarah Aristidous Gesang ist durchdacht, ist Manifestation blitzender Intelligenz, Expressivität und Sinnlichkeit. Einige der bedeutendsten Komponisten unserer Zeit wie Aribert Reimann oder Jörg Widmann lassen sich von ihrer Kunst inspirieren.
 
Ihre eigenen Projekte, wie die mehrere Jahrhunderte und diverse Genres umspannende CD-Produktion »Æther«, zeigen, worauf die junge Musikerin hinwirken möchte: auf ein emphatisches Hinhören, auf Transformation im spirituellen Sinne.
2020 // Florian Weber
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© Christoph Bombart
 
Belmont-Preis 2020
für zeitgenössische Musik
 
Florian Weber
Pianist und Komponist
Osnabrück und New York
 
 
Begründung des Kuratoriums

Florian Weber ist einer der wesentlichen musikalischen Neuerer der zeitgenössischen Musik.

Sein musikalisches Bezugssystem scheint unerschöpflich: von Maurice Ravel, Arnold Schönberg und Karlheinz Stockhausen bis zu Lee Konitz, John Taylor und Paul Bley oder zur sogenannten Weltmusik.

So unbegrenzt die Möglichkeiten, so ökonomisch und konzentriert ist sein Klavierspiel. An Stelle der postmodernen Geste tritt die Arbeit an der musikalischen Substanz. Es ist ein Spiel, das das Risiko weder scheut noch ausstellt und ganz selbstverständlich den Eindruck einer unerhörten musikalischen Freiheit vermittelt. Aus einem einfachen musikalischen Gedanken, einem kleinen rhythmischen oder harmonischen »Baustein« können bei Florian Weber unvermittelt musikalische Epiphanien entstehen, in denen das Material – mit neuer Intensität aufgeladen – sein utopisches Potential offenbart.
2018 // Eamonn Quinn
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© Alannagh-Brennan
 
Belmont-Preis 2018
für zeitgenössische Musik
 
Eamonn Quinn
Kurator und Begründer von LCMS
Louth Contemporary Music Society
Dundalk, Irland
 
 
Aus der Begründung des Kuratoriums:
 
»All you need is a room and some cash«: Eamonn Quinns physischer Raum ist ein Kleinstbiotop in Irland, eine ländliche Kleinstadt nahe der Grenze zum Brexit- geplagten Nordirland. Der geistige Raum jedoch dieses Überzeugungstäters sind die großen Himmel, unendlich neue Horizonte, geprägt von umfassender Kenntnis auf dem Gebiet der zeitgenössischen Musik, von untrüglichem Scharfsinn, berührender Sensibilität für das Unerhörte, Gespür für Zusammenhänge des Repertoires und Besonderheiten der Komponisten und Musiker, die er – unter herausforderndem finanziellen Risiko – zu sich einlädt.
 
 
Aus der Laudatio von Sebastian Berger (Vorstand):
 
»Ein weiterer wichtiger Grund für die Auszeichnung Eamonn Quinns mit dem Belmont-Preis ist sein ständiger Kampf, Grenzen zu überwinden. Unglücklicherweise sind Grenzen, Mauern und Zäune und sogar Käfige wieder populärer geworden, nicht nur in unseren Köpfen. Sogar dort, wo sie ihre finstere Macht bereits verloren hatten, könnten sie sie wiedererlangen, wie die Grenze nur wenige Kilometer nördlich von uns ...«
2015 // Milica Djordjević
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© Marija Trajkovska
 
Belmont-Preis 2015
für zeitgenössische Musik
 
Milica Djordjević
Komponistin aus Belgrad und Berlin
 
 
Begründung des Kuratoriums

Die Musik der serbischen Komponistin Milica Djordjević ist auf bisweilen furchterregende Art zeitgenössisch.
 
Unter dünner Haut lagert expressive Wucht. Rauhe, archetypische Stimmen, erkennbar aus den Klangwelten des Balkan, formulieren ihr Thema radikal mit den Mitteln der Avantgarde, fern aller Folklore. Stark rhythmisch und geradezu körperlich geprägt, entlädt sich die Atmosphäre wie ein grandioses Reinigungsgewitter, mit schneidender Konsequenz.
 
Diese Musik ist fremd und vertraut zugleich: fremd, indem sie das Dunkle, Verdrängte, die Angst freilegt; vertraut, indem sie sie zur Explosion bringt und ihre Splitter zum Leuchten. Sie hat nichts zu beschönigen, aber viel zu sagen. 
 
 
Aus der Laudatio von Gabriele Forberg-Schneider
 
»Warum dann überlassen wir uns nicht beim Hören neuer Töne der Welt der Phantasie, staunen über die kompositorischen Klangkonstruktionen – so abscheulich, unfasslich, fremd, schwer verständlich und atonal sie auch klingen mögen – und wundern uns, was diese Musik mit uns und was sie aus uns macht. Und was sie macht, ist ihr Geheimnis. Das Geheimnis jeder Schöpfung: Ob wir nun Musik von Machaut, Monteverdi, Bach, Haydn, Schumann, Bartók, Stockhausen, Xenakis oder Djordjević hören - am Ende gehen wir als anderer Mensch, verändert und verwandelt, daraus hervor.«

2013 // Sabrina Hölzer
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© Wiebke Loeper
 
Belmont-Preis 2013
für zeitgenössische Musik
 
Sabrina Hölzer
Regisseurin aus Berlin
 
 
Begründung des Kuratoriums

Mit fast unsichtbaren Regieeingriffen und zeichenhaftem Gestus verwandelt sie Bühnenräume in emotionale Szenarien, erweitert den musikalischen Erlebnisraum um den Innenraum des Betrachters, in Echokammern seiner ureigenen Erinnerung.
 
Frei von Agitation oder Belehrung ereignet sich körperlich erlebbares, »tolles Theater« (Adriana Hölszky) von emotionaler Hochspannung.
2012 // Alex Ross
Kreis Plus Kreis Minus
© DavidMichalek
 
Belmont-Preis 2012
für zeitgenössische Musik
 
Alex Ross
Autor und Musikkritiker aus New York
 
 
Begründung des Kuratoriums
 
Die Stiftung ehrt einen Autor, der die aussterbende Kunst des Geschichtenerzählens vereint mit beeindruckendem Wissen über die Entwicklung der Musik als Sozial- und Kulturhistorie.
 
Mit dem Kunstgriff kaleidoskopartiger Perspektivwechsel beleuchtet Alex Ross die Sphären von Klassik, Jazz, Pop und Minimal Music: fernab von eurozentristischer Nabelschau.
2009 // Marino Formenti
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© Betty Freeman
 
Belmont-Preis 2009
für zeitgenössische Musik
 
Marino Formenti
Pianist und Dirigent aus Wien
 
 
Begründung des Kuratoriums
 
Ebenso kühn und geistreich wie seine Interpretation klassischer und zeitgenössischer Musik ist seine Kunst, musikalisch-poetische Programme von subversiver Emotionalität und funkensprühender Inspiration dialektisch zusammenzustellen: Er lässt dabei die Musikstücke aufeinander hören und wird so selbst zum Komponisten.
 
 
»Fasziniert von dem Moment zwischen Befremdung und Hingerissenheit nähren sich all seine Projekte aus einer nervös-neugierigen Verliebtheit für bestimmte Stücke. Er nimmt ihnen nie ihr Geheimnis, setzt ihnen aber auch keines auf. Er bestaunt sie so lange, bis sie anfangen, Dinge zu offenbaren, die man bisher nicht von ihnen erwartet hätte. Alles scheint wie immer, und doch ist alles ganz anders.«
 
Aus der Laudatio von Gabriele Forberg-Schneider
2007 // Bruno Mantovani
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© Editions Lemoine - Christophe Daguet
 
Belmont-Preis 2007
für zeitgenössische Musik
 
Bruno Mantovani
Komponist aus Paris
 
 
Begründung des Kuratoriums
 
Mit ihrem Preis ehrt die Stiftung einen Musiker, dessen Handwerk durchdrungen ist von dem klaren Licht, aber auch den scharfkantigen Schatten des mittelmeerischen Kosmos. Mantovani betritt kompositorisch immer wieder neue Räume, verwandelt sie und verlässt sie wieder. Die ausgeprägte Körperlichkeit seiner Musik macht Klang begreifbar als Bewegung. Seine musikalische Poetik trägt das doppelte Gesicht klassischer Ordnung und Konstruktion, gepaart mit der vielgestaltigen Expressivität und Spontaneität der improvisierten Musik.
 
»Bei Bruno Mantovani ist das »akademische« Territorium, das er mit vielen anderen teilt und von dem man weiß, dass es kaum den Wert eines Werks zu garantieren vermag, von der Praxis der Jazzimprovisation befruchtet worden. Diese Konfrontation der »abstrakten« Strukturprinzipien der Kunstmusik mit der »konkreten« Erfahrung der musikalischen Form vereint in Mantovanis Stil die Antipoden von Übertretung und Pragmatismus.«
2005 // Quatuor Ébène
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© Julien Mignot
 
Belmont-Preis 2005
für zeitgenössische Musik
 
Quatuor Ébène
Streichquartett aus Paris
 
Pierre Colombet
Gabriel Le Magadure
Mathieu Herzog
Raphaël Merlin
 
 
 
Begründung des Kuratoriums
 
Ihr farbenreiches Spiel vereint akribische Genauigkeit mit unbändiger Musikalität, mit der sie kompositorische Kühnheiten mit Emphase und Ausdruckstiefe ausloten. 
 
»In einer Stiftung, die zeitgenössische Musik, aber auch Landschaftsarchitektur und Stadtplanung fördert, ist spontane Einmütigkeit im Kuratorium nicht eben die Regel. Diesmal aber war es so: die musikalische Intelligenz der Ébènes und die Authentizitat ihres Spiels beim ARD-Wettbewerb - sei es mit Haydn, mit Webern, mit Rihm - hatte uns alle getroffen wie der Blitz. ... Es scheint, als atmeten sie zusammen. Die Vier, sie »gründeln« nicht, sie »deuteln"nicht« sie »brillieren« nicht: sie sagen einfach die Wahrheit, als wäre das so leicht wie es sich anhört ...«
 
Aus der Laudatio von Gabriele Forberg-Schneider
 
 
Joachim Kaiser über das Quatuor Ébène
 
»Was diese Musiker im gegenwärtigen Kammermusik-Betrieb einzigartig erscheinen läßt, ist ihr bezwingendes Gefühl für den Aufbau, die Abfolge, die Entwicklung von Themenkomplexen, Kontrasten, Erweiterungen. Konkret heißtdas: Sie nehmen Pausen unerhört ernst. Nie läuft die Musik danach weiter, wie wenn nichts gewesen wäre.«
 
Süddeutsche Zeitung, 5. März 2008
 
 
»Worin liegt nun ihr Besonderes? Nicht nur in höchster Virtuosität. ... Wo die Ebènes ganz zu Haus sind wie bei Ravel, da stellen sie viel Heikleres her als nur applausfreudige Brillanz: nämlich ein Schweben, ein zartes gemeinsames, noch im fast Inexistenten sich lebendig wandelndes Schweben des Klanges.«
 
Süddeutsche Zeitung, 19. Januar 2007
 
 
2004 // Carolin Anne Widmann
Kreis Plus Kreis Minus
© Kasskara
 
Belmont-Preis 2004
für zeitgenössische Musik
 
Carolin Anne Widmann
Geigerin aus London und Leipzig
 
 
 
Begründung des Kuratoriums
 
Beeindruckend ist ihr Geigenspiel - vor allem der Musik unserer Zeit - durch ihren Mut zur emotionalen Offensive und durch den tiefen Ernst ihrer musikalischen Gestaltung. In perfekter Balance zwischen Verstand und Gefühl meistert sie mit Bravour alles Spieltechnische.
»Auch wenn unsere Stiftung ausdrücklich die zeitgenössische Musik fördert, so finden wir mit Paul Valéry, dass »das ausschließliche Gefallen am Neuen einen Verfall des kritischen Verstandes« bedeutet. Fachmännisch ergänzt Walter Levin das bonmot, wenn er fordert: »Man muss Neue Musik spielen, um der Alten gerecht zu werden.«
 
Gabriele Forberg-Schneider
 
 
»Wie sich die irisierenden Tonverflechtungen in Pierre Boulez' Anthèmes mit subkutaner Emotion auflud und dem gegenüber Richard Strauss' frühe Violinsonate mit obertönig eingezuckertem Süßholzton aufkochte, ohne die romantisch überfließende Melodik sentimental zu verunglimpfen, verströmten den luftigen Atem einer italienischen Sommernacht. Die Persönlichkeit dieser Ausnahmegeigerin verglich Markus Fein mit Schönbergs Diktum: Kunst kommt nicht von können, sondern vom Müssen.«
 
Die Welt, 10. August 2004
2003 // Stefan Tischer
Kreis Plus Kreis Minus
Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück © Modell: Burger+Tischer, Oswalt+Oswalt
Simulation der Stadtentwicklung © MetroGrammA + S. Tischer, H. Hoelzl
 
Belmont-Preis 2003
für Landschaftsarchitektur und Stadtplanung
 
Stefan Tischer
Landschaftsarchitekt in Montréal
 
 
»Der Genius Loci wird zum zukunftsweisenden Instrumentarium: die Qualitäten der Landschaft werden im städtischen Alltag spürbare Realität: Stadt wird Landschaft.«
 

Ausgezeichnet wird er insbesondere für zwei Projekte: den landschaftsplanerischen Entwurf für den Umbau des ehemaligen Frauenkonzentrationslagers Ravensbrück in Brandenburg in eine Mahn- und Gedenkstätte in Zusammenarbeit mit Susanne Burger, Philipp und Stefanie Oswalt. »Notwendig war ein Balanceakt zwischen Gestaltung und Authentizität. Dass dieser Balanceakt in einem Wettbewerbsverfahren gelang, ist keineswegs selbstverständlich.«
 
Ferner wird er ausgezeichnet für die Untersuchung »Vier Vorschläge zur städtebaulichen Verdichtung in Bozen«, eine urbane Strategie, die er zusammen mit Helene Hoelzl und dem Mailänder Studio MetroGrammA erdacht hat. In Entwicklungsszenarien wird der Versuch unternommen, die Landschaft selbst zur Regel des Städtebaus und darüber hinaus zur Inspirationsquelle für die Architektur zu machen. Hier versucht Tischer, die Bausünden des Wirtschaftsbooms vergangener Jahrzehnte zu beseitigen, die Stadt zu »lüften«, damit sie auf historischen und landschaftsspezifischen Schichtungen neu erwachsen kann.
2002 // b&k+
Kreis Plus Kreis Minus
© Marianne Weber-Schäfer
 
Belmont-Preis 2002
für Landschaftsarchitektur und Stadtplanung
 
für Landschaftsarchitektur und Stadtplanung
b&k+, Arno Brandlhuber und Bernd Kniess
Architekten in Köln
 
 
 
Begründung des Kuratoriums
 
Die Neubestimmung des Grünraums steht im Zentrum der Arbeit des Kölner Büros b&k+. Um ihre Projekte in der Gesellschaft und damit in der Stadt zu verwurzeln, bedienen sich die beiden Architekten und Stadtplaner explizit einer interdisziplinären Arbeitsweise unter der Mitwirkung von Experten aus Wissenschaft und Industrie, aus Kunst und Kultur. »Kölner Brett« und »Klimazone_n« sind überzeugende und auch ästhetisch herausragende Beispiele dieser kreativen Zusammenarbeit.
Klimazone_n // © b&k+
Kölner Brett // Peter Schneider
 
 
»Brandlhuber & Kniess wurden für ihr nicht realisiertes Projekt »Klimazone_n« ausgezeichnet, das ein Block-Heiz-Kühl-Kraftwerk zur Energieversorgung der gesamten Expo 2000 vorsah. Ferner würdigte das Kuratorium das nach seinem Kölner Standort benannte »Kölner Brett« (ein Lofthaus als Plattform für eine neue Arbeits- und Wohnwelt).«
 
Neue Zürcher Zeitung, 7. Februar 2003
 
2001 // Florent Boffard
Kreis Plus Kreis Minus
© P. Gontier
 
Belmont-Preis 2001
für zeitgenössische Musik
 
Florent Boffard
Pianist in Paris
 

»Wenn man, wie ich, eine Leidenschaft wie die Musik leben kann, dann ist das schon Glück. Wenn man darüber hinaus mit dieser Leidenschaft noch einen solchen Preis erringen kann, dann ist das mehr als Clück.«
 
 
Begründung des Kuratoriums

Das Kuratorium bewundert seinen Mut, auf das Ungefallige und Schwierige zu setzen und sein Talent, der verschwiegenen Ambition einer Komposition das Geheimnis zu entlocken, sie neu zu erfinden. Die Interpretation, dieses »zweite Leben«, lässt das Musikstück zu einem Kunstwerk werden und entzieht es der Logik des reinen Konsums.
 

»Ein junger Mann betrat die Bühne: sein etwas enger Anzug, sein blasses, von einem natürlichen Lächeln erhelltes Gesicht, seine großen Hände, die bald tief in die Tasten greifen sollten, entsprachen nicht unbedingt meinem Bild eines Solisten des Ensemble Intercontemporain. Zwei, drei Schritte zum Flügel, und gleich vom ersten Anschlag an setzte sich der Künstler durch. Nichts Wichtigtuerisches oder Posenhaftes, nichts Steifes und schon gar nichts Strenges. ... Sein klar strukturiertes Spiel, sein ausgesprochener Sinn für Polyphonie sind ihrerseits Ausdruck eines tiefen Werkverständnisses und einer großen Disziplin in seiner künstlerischen Arbeit. Sein reicher und großzügiger Klang ist ein weiterer Beweis seines feinen und präzisen Gehörs.«
 
Aus der Laudatio von Hervé Boutry
1999 // Jörg Widmann
Kreis Plus Kreis Minus
© Felix Broede
 
Belmont-Preis 1999
für zeitgenössische Musik
 
Jörg Widmann
Komponist & Klarinettist
in Freiburg i. Brsg. und München
 
 
 
»Ich habe Klänge im Kopf und schreibe sie dann nieder. Es ist wie ein Traum von einer Musik. Ich versuche jedes Stück neu zu erträumen. Manchmal sind es zarte, manchmal aggressive,
richtige Marter-Stücke. Der Hauptantrieb dafür sind immer Emotionen.«

Jörg Widmann
 
 
»Ich bekenne mich als ausserordentlich verliebt in die Art und Weise, in der Jörg Widmann mich daran hindert, über ihn endgültig Bescheid zu wissen. … Hier steht immer wieder im Hintergrund dieser Traum, dieses beides möge eben zusammenkommen, Komposition und Improvisation möge wieder eins werden. Er macht es uns damit nicht leicht. Nämlich wir wissen in dieser Musik nie genau, was kommt und da wir in einer Welt leben, da wir ja alle Versicherungsfanatiker sind, erfahren wir eigentlich die Ungesichertheit, die Gewagtheit unseres Lebens neu ... Ich finde einen tiefen Realismus in dieser Musik, dass sie uns das Wagnis, das Risiko des Lebens neu klarmacht, wie sie uns real konfrontiert mit Dingen, die wir nicht voraussehen können.«
 
Aus der Laudatio von Peter Gülke
1998 // MVRDV
Kreis Plus Kreis Minus
© Ineke Oostveen
 
Belmont-Preis 1998
für Landschaftsarchitektur und Stadtplanung
 
MVRDV
 
Winy Maas
Jacob van Rijs
Nathalie de Vries
Architekten in Rotterdam
 
 
 
»Fahrstuhl nach Babylon - Entdeckung des Himmels: Der holländische Pavillon auf der EXPO in Hannover ist das erste Denkgebäude des 21. Jahrhunderts.«
 
Niklas Maak
 
 
Begründung des Kuratoriums
 
Der Preis zeichnet den Entwurf »Gestapelde Natuur« aus, der das Motto »Mensch, Natur, Technik« der EXPO 2000 als Parkanlage auf vielen Ebenen intelligent und witzig verwirklicht und den klassischen Landschaftsbegriff um eine ästhetische, zukunftsweisende Dimension erweitert.
 
 
»Gewiss, die Übereinanderschichtung von Landschaften widerspricht unserer Vorstellung. Entspricht aber das romantische Bild, das wir uns von der Natur machen, der Realitat? ... Es nimmt nicht wunder, dass uns gerade die Niederländer mit ihrem pragmatischen Zugriff auf die Dinge von den vertrauten Illusionen befreien.«
 
Aus der Laudatio von Hubertus Adam
 
© MVRDV

Forberg-Schneider-Stiftung
Mottlstraße 12
80804 München

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